Das kyrillische Alphabet hat im Russischen 33 Buchstaben. Fünf davon kennst du schon. Sieben sehen nur so aus, als würdest du sie kennen – und genau die sorgen für die meisten Fehler. Die gute Nachricht: Lesen lernst du in etwa einer Woche, wenn du die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge lernst.
Für diesen Artikel haben wir 57,5 Millionen Buchstaben aus echten russischen Texten gezählt: Nachrichten, Wikipedia, Webseiten und Alltagssätze. Daraus ergibt sich, welche Buchstaben du zuerst lernen solltest. Unten findest du die komplette Tabelle mit Aussprache, unsere Zählung, einen 7-Tage-Plan und die Antwort auf die Frage, warum Gorbatschow auf Englisch Gorbachev heißt.
Kyrillisch auf einen Blick
Kyrillisch ist eine Schrift, keine Sprache. Russisch ist nur eine von vielen Sprachen, die damit geschrieben werden. Dazu gehören Ukrainisch, Belarussisch, Bulgarisch, Serbisch und Mazedonisch, außerdem Kasachisch, Kirgisisch, Tadschikisch und Mongolisch (Wikipedia: Kyrillisches Alphabet).
Benannt ist die Schrift nach dem Slawenapostel Kyrill von Saloniki. Erfunden hat er sie aber nicht: Kyrill entwarf die ältere glagolitische Schrift. Das kyrillische Alphabet entstand nach heutigem Wissen erst Mitte des 10. Jahrhunderts in Ostbulgarien, und die meisten Buchstaben stammen aus dem griechischen Alphabet. Andere Namen für die Schrift sind Kyrilliza und Asbuka.
Seit dem EU-Beitritt Bulgariens 2007 ist Kyrillisch neben der lateinischen und der griechischen Schrift eine der drei offiziellen Schriften der EU. Deshalb steht auf den Euroscheinen der neuen Serie seit 2013 auch ЕВРО.
Das russische Alphabet in seiner heutigen Form gibt es seit der Rechtschreibreform von 1918: 33 Buchstaben, davon 10 für Vokale, 21 für Konsonanten und 2 Zeichen ohne eigenen Laut (Ъ und Ь).
Alle 33 Buchstaben mit Aussprache
Die Tabelle zeigt jeden Buchstaben groß und klein, wie er ungefähr klingt, wie man ihn in deutschen Texten umschreibt (nach Duden) und ein Beispielwort. Viele Beispiele sind Wörter, die du schon kennst – so liest du vom ersten Tag an echte Wörter.
Zwei Dinge zeigt die Tabelle nur am Rande, beim Vorlesen sind sie aber wichtig. Erstens: Die Betonung wird in normalen Texten nicht markiert, und ein unbetontes О klingt fast wie А. Deshalb spricht man молоко „malakó“. Zweitens: Ё wird meist ohne Punkte gedruckt – mehr dazu in unserer Zählung weiter unten.
Echte Freunde, falsche Freunde, neue Zeichen
Am schnellsten lernst du die Schrift, wenn du die 33 Buchstaben in drei Gruppen teilst:
Echte Freunde (5 Buchstaben): А, К, М, О, Т. Sie sehen aus wie lateinische Buchstaben und klingen auch so. In echtem Russisch machen sie 31,8 % aller Buchstaben aus.
Falsche Freunde (7 Buchstaben): В, Е, Н, Р, С, У, Х. Sie sehen vertraut aus, klingen aber anders: В ist ein w, Н ein n, Р ein r, С ein s, У ein u, Х ein ch und Е meistens ein je. Ihr Anteil: 33,3 %.
Neue Buchstaben (19) und zwei Zeichen ohne Laut (Ъ, Ь): Sie lernst du von Grund auf. Ihr Anteil: 33,1 % plus 1,8 % für die beiden Zeichen.
Das heißt: Zwei Drittel eines russischen Textes bestehen aus Buchstaben, die du zu kennen glaubst – und gut die Hälfte davon führt dich in die Irre. Das klassische Beispiel ist РЕСТОРАН. Mit deutschen Augen gelesen steht da „Pectopah“. Gemeint ist „Restoran“, das Restaurant. Lerne die falschen Freunde deshalb früh und wiederhole sie öfter als den Rest.
In Schreibschrift und im kursiven Druck wird es noch einmal kniffliger: Die Kleinbuchstaben б, д, г, и, п, т und ш haben dort eigene Formen. Ein kursives т sieht aus wie ein m, ein kursives и wie ein u und ein kursives п wie ein n.
So oft kommt jeder Buchstabe vor
Fast jede Seite zeigt das Alphabet von А bis Я. Zum Lernen ist das die falsche Reihenfolge, denn die Buchstaben kommen sehr unterschiedlich oft vor. Wir haben nachgezählt: 57,5 Millionen Buchstaben aus vier offenen Textsammlungen – russische Nachrichten von 2024, Wikipedia-Texte (2021) und Webseiten (2019) aus der Leipzig Corpora Collection sowie 1,2 Millionen Alltagssätze von Tatoeba. Bei Tatoeba haben wir vorher die Namen Tom und Mary entfernt, die dort in Zehntausenden Sätzen vorkommen.
Das Ergebnis:
О ist der häufigste Buchstabe. Mit 10,9 % ist fast jeder neunte Buchstabe eines russischen Textes ein О.
Die fünf häufigsten Buchstaben (О, Е, А, И, Н) machen zusammen 41 % aus, die zehn häufigsten 67 % und die fünfzehn häufigsten 81,5 %.
Die drei Textsammlungen aus Leipzig kommen auf genau dieselben zehn Spitzenreiter in derselben Reihenfolge: О, Е, А, И, Н, Т, С, Р, В, Л.
Am seltensten sind Ф (0,30 %), Ё (0,24 %) und Ъ (0,03 %). Ein Ъ triffst du ungefähr einmal auf 3.000 Buchstaben.
Spannend ist das Ё. In den Nachrichten von 2024 kommt es nur auf 0,02 % aller Buchstaben, das Е dagegen auf 8,3 %. Russische Zeitungen drucken statt Ё also fast immer Е. Du liest dann Горбачев und musst trotzdem wissen, dass man „Gorbatschow“ spricht. In den Lernsätzen von Tatoeba steht es deutlich öfter (0,56 %).

So oft kommt jeder der 33 Buchstaben in echtem Russisch vor. Mit * markiert: falsche Freunde. Daten: 57,5 Mio. Buchstaben aus russischen Texten – Leipzig Corpora Collection (Nachrichten 2024, Wikipedia 2021, Web 2019) und Tatoeba. Berechnung und Grafik: Mindomax (Stand: 30.10.2026).
7-Tage-Plan: fünf Buchstaben pro Tag
Aus der Zählung ergibt sich ein einfacher Plan: jeden Tag fünf neue Buchstaben, die häufigsten zuerst. Nach dem ersten Tag erkennst du schon 41 % aller Buchstaben eines russischen Textes, nach dem dritten Tag 82 %. Wer stur nach dem Alphabet lernt, steht nach Tag 1 bei 19 % und nach Tag 3 bei 56 %.
Fünf der sieben falschen Freunde (Е, Н, С, Р, В) landen schon an den ersten beiden Tagen im Plan, weil sie so häufig sind. Das ist gut so: Du übst sie dadurch am längsten.
So übst du jeden Tag, etwa 15 Minuten:
1. Lege die neuen Buchstaben als Karteikarten an, und zwar in beide Richtungen: Buchstabe → Laut und Laut → Buchstabe. Wie du Karten sinnvoll aufbaust, steht in unserem Artikel Vokabeln lernen mit Karteikarten.
2. Wiederhole die Karten der Vortage, zum Beispiel nach einem, drei und sieben Tagen. Das Prinzip dahinter heißt Spaced Repetition. Warum Abfragen mehr bringt als bloßes Anschauen, zeigt unser Überblick über Lernmethoden.
3. Lies echte Wörter, und zwar laut. Nach Tag 2 kannst du schon театр (Theater) und ресторан (Restaurant) entziffern, nach Tag 3 auch метро, такси und парк.
4. Fang mit den häufigsten Wörtern an. In unserer Zählung stehen и (und), в (in), на (auf), не (nicht), что (was, dass; gesprochen „schto“), это (das) und я (ich) ganz oben.

Fünf Buchstaben pro Tag: Nach Häufigkeit gelernt, erkennst du nach Tag 1 schon 41 % aller Buchstaben eines Textes, nach dem Alphabet gelernt nur 19 %. Daten wie Grafik 1. Berechnung und Grafik: Mindomax (Stand: 30.10.2026).
Ehrlich gesagt: Nach sieben Tagen kannst du Russisch lesen, aber noch nicht verstehen. Die Betonung steht nicht im Text, und dein Vorlesen wird am Anfang holpern. Für die Schrift reicht eine Woche, für die Sprache brauchst du deutlich länger.
Wenn dich nach Kyrillisch auch Japanisch reizt: Unser Hiragana-Plan funktioniert nach demselben Prinzip.
Warum Gorbatschow auf Englisch Gorbachev heißt
Bei russischen und ukrainischen Namen begegnen dir oft drei Schreibweisen für dieselbe Person. Der Grund: Jede Sprache schreibt kyrillische Namen so, wie ihre eigenen Leser sie aussprechen würden. Deutsch nutzt die Duden-Umschrift, Englisch eine eigene, und in Bibliotheken und in der Wissenschaft gilt die wissenschaftliche Transliteration mit Zeichen wie č, š und ž.
Die wichtigsten Unterschiede: Ч wird im Deutschen zu tsch, im Englischen zu ch. Ш wird zu sch beziehungsweise sh, В zu w beziehungsweise v, Х zu ch beziehungsweise kh. Und Щ, im Deutschen das Buchstabenmonster schtsch, schreibt das Englische als shch.
Im Ukrainischen gibt es eine zusätzliche Falle: Dort klingt Г wie ein h. Deshalb heißt die ukrainische Währung гривня auf Deutsch Hrywnja und nicht Grywnja.
Russisch, Ukrainisch, Serbisch: Was ist anders?
Wer das russische Alphabet kann, kann die anderen kyrillischen Schriften fast schon lesen. Die Unterschiede betreffen nur ein paar Buchstaben:
Wie wichtig die Extra-Buchstaben sind, zeigt unsere zweite Zählung mit gut 20 Millionen Buchstaben aus ukrainischen Nachrichten (2023), Wikipedia-Texten und Tatoeba-Sätzen: Das І ist dort mit 5,6 % der fünfthäufigste Buchstabe überhaupt. Ї und Є kommen auf je etwa 0,7 %, das Ґ siehst du fast nie (0,01 %).
Serbisch ist ein Sonderfall: Es wird sowohl kyrillisch als auch lateinisch geschrieben.
Apps und Hilfsmittel für das kyrillische Alphabet
Für die Schrift allein brauchst du keine teure App. Diese Werkzeuge haben wir im deutschen App Store und bei Google Play nachgeschlagen:
Babbel: Kompletter Sprachkurs mit deutscher Oberfläche, Russisch ist eine der 14 Sprachen im Angebot. Die Abos im App Store reichen von 18,99 € für einen Monat (eine Sprache) bis 107,99 € für zwölf Monate mit allen Sprachen (Stand: 30.10.2026). Nachteil: Du zahlst für einen ganzen Sprachkurs, auch wenn du erst einmal nur lesen willst.
Drops: Kurze Vokabelspiele, laut App-Beschreibung auch mit den Schriftzeichen des Russischen. Die Grundversion ist gratis, Premium ist im App Store ab 7,99 € gelistet (Stand: 30.10.2026). Nachteil: Die Gratisversion zeigt Werbung.
Write It! Russian: Du schreibst die 33 Buchstaben mit dem Finger, und die App erkennt deine Handschrift. Der Download ist gratis, der „Full Unlock“ kostet ab 5,99 € (Stand: 30.10.2026). Nachteil: Die App gibt es nur auf Englisch.
Mindomax: Karteikarten-App mit Spaced Repetition, die mit KI Karten aus Texten und Bildern erstellt – praktisch, wenn du die Tabelle oben in Karten verwandeln willst. Mindomax ist derzeit komplett kostenlos, Premium inklusive; laut Preisseite gilt das bis Ende 2027 (Stand: 30.10.2026). Nachteil: Die App ist neu, im deutschen App Store hat sie erst drei Bewertungen, und ein fertiges Kyrillisch-Deck gibt es nicht – die 33 Karten legst du selbst an. Mindomax ansehen
Anki: Der Klassiker unter den Karteikarten-Programmen. Am Computer und mit AnkiDroid auf Android ist Anki kostenlos, AnkiMobile fürs iPhone kostet 29,99 € (Stand: 30.10.2026) und wurde zuletzt am 08.09.2025 aktualisiert. Nachteil: Du richtest alles selbst ein.
Und Duolingo? Russisch und Ukrainisch gibt es dort nur mit englischer Oberfläche. Für Deutschsprachige bietet Duolingo Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch und Chinesisch an (Stand: 30.10.2026).
Wenn du die 33 Karten nicht von Hand basteln willst: Mit Mindomax legst du sie in wenigen Minuten an und wiederholst sie im richtigen Abstand – kostenlos ausprobieren.
Häufige Fragen
Ist Kyrillisch gleich Russisch?
Nein. Kyrillisch ist die Schrift, Russisch eine von vielen Sprachen, die sie benutzen. Auch Ukrainisch, Belarussisch, Bulgarisch, Serbisch, Mazedonisch, Kasachisch und Mongolisch werden kyrillisch geschrieben.
Welche Länder benutzen das kyrillische Alphabet?
Vor allem Russland, die Ukraine, Belarus, Bulgarien, Serbien, Nordmazedonien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und die Mongolei. In der EU ist Kyrillisch seit 2007 eine der drei offiziellen Schriften.
Wie nennt man das kyrillische Alphabet noch?
Kyrilliza oder Asbuka. Asbuka (азбука) kommt von den ersten beiden Buchstaben des alten kyrillischen Alphabets – so wie unser Wort „Alphabet“ von Alpha und Beta kommt.
Ist die griechische Schrift kyrillisch?
Nein, aber sie ist ihr wichtigstes Vorbild. Die meisten kyrillischen Buchstaben wurden aus dem griechischen Alphabet übernommen oder davon abgeleitet. Für slawische Laute kamen Zeichen aus der älteren glagolitischen Schrift dazu.
Wie lange dauert es, das kyrillische Alphabet zu lernen?
Zum Lesen reicht etwa eine Woche, wenn du fünf Buchstaben pro Tag lernst und täglich wiederholst. Mit den häufigsten Buchstaben zuerst erkennst du nach drei Tagen schon 82 % aller Buchstaben eines russischen Textes. Flüssig lesen und schreiben dauert länger.
Warum steht in russischen Texten oft Е statt Ё?
In normalen russischen Texten werden die zwei Punkte meist weggelassen. In unserer Zählung kommt Ё in Nachrichten nur auf 0,02 % aller Buchstaben, Е dagegen auf 8,3 %. Ob ein Е als „jo“ gesprochen wird, musst du also oft aus dem Wort selbst wissen.




