Die beste Lernmethode ist ziemlich unspektakulär: Verteile das Lernen auf mehrere kurze Runden über ein paar Tage und frag dich dabei selbst ab, statt den Text noch einmal zu lesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine große Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kollegen (2013), die zehn verbreitete Lerntechniken bewertet hat. Eine Metaanalyse von Donoghue und Hattie (2021) mit 242 Studien und rund 169.000 Teilnehmenden bestätigt es. Ausgerechnet die beliebtesten Gewohnheiten schneiden am schwächsten ab: Markieren, Wiederlesen und Zusammenfassen.

Hier findest du alle zehn Techniken in der Reihenfolge, die die Forschung nahelegt, jeweils mit den Zahlen, einer Anleitung und dem typischen Fehler. Danach geht es um beliebte Methoden wie Mindmap, Loci-Methode und Pomodoro, um zwei hartnäckige Mythen und um einen Lernplan für eine Woche.

Kurz gesagt: Welche Lernmethode ist die beste?

Wenn du nur zwei Dinge änderst, dann diese. Erstens: Frag dich selbst ab, mit Karteikarten, mit Übungsaufgaben ohne Lösung oder mit einem leeren Blatt, auf das du aus dem Gedächtnis schreibst, was du noch weißt. Zweitens: Verteile das Lernen auf mehrere Tage, statt alles am Abend vor der Prüfung zu machen. Nur diese beiden Techniken haben bei Dunlosky die Note „hoher Nutzen“ bekommen, weil ihr Vorteil über viele Altersgruppen, Lernstoffe und Prüfungsformen hinweg belegt ist. Alle anderen Methoden in diesem Artikel ergänzen diese beiden, ersetzen sie aber nicht.

Die zehn Lerntechniken im Vergleich

Dunlosky und vier Kollegen haben zehn Techniken ausgewählt, die Lernende ohne Hilfe anwenden können oder besonders oft benutzen. Für jede haben sie geprüft, wie breit ihr Nutzen belegt ist: bei verschiedenen Lernenden, Lernstoffen, Lernsituationen und Prüfungsformen. Das Ergebnis: zweimal hoher, dreimal mittlerer und fünfmal niedriger Nutzen. Acht Jahre später haben Gregory Donoghue und John Hattie dieselben zehn Techniken in einer Metaanalyse zusammengerechnet. Ihr Maß ist die Effektstärke d: Sie sagt, um wie viele Standardabweichungen die Gruppe mit der Technik besser abschnitt als die Vergleichsgruppe. Als Faustregel gilt 0,2 als kleiner, 0,5 als mittlerer und 0,8 als großer Effekt.

Unsere Rangliste sortiert zuerst nach der Bewertung von Dunlosky, also danach, wie sicher der Nutzen belegt ist, und innerhalb jeder Stufe nach der Effektstärke.

RangTechnikSo geht'sDunlosky 2013d (2021)
1Verteiltes LernenStoff in mehreren Runden über Tage wiederholenhoch0,85
2Selbsttestsich abfragen: Karteikarten, Übungsaufgaben, leeres Blatthoch0,74
3Warum-Fragenzu jedem Fakt erklären, warum er stimmtmittel0,56
4Selbsterklärungjeden Schritt einer Lösung begründenmittel0,54
5Gemischtes ÜbenAufgabentypen abwechseln statt blockweise übenmittel0,47
6Bilder im Kopfbeim Lesen Szenen zum Text vorstellenniedrig0,56
7Eselsbrücke mit Schlüsselwortähnlich klingendes Wort plus Bildniedrig0,50
8Wiederlesenden Text noch einmal lesenniedrig0,47
9MarkierenWichtiges unterstreichen oder farbig markierenniedrig0,44
10Zusammenfassenden Text in eigenen Worten kürzenniedrig0,44
Balkendiagramm: Effektstärken der zehn Lerntechniken, von verteiltem Lernen (0,85) und Selbsttest (0,74) bis Markieren und Zusammenfassen (je 0,44) (Daten: Donoghue & Hattie 2021).

Verteiltes Lernen und Selbsttest liegen vorn, Markieren und Zusammenfassen hinten. Daten: Donoghue & Hattie (2021), Metaanalyse von 242 Studien, Tabelle 1; Bewertung in Klammern: Dunlosky et al. (2013). Grafik: Mindomax.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens sind sich beide Arbeiten oben und unten einig: Verteiltes Lernen und Selbsttest führen, Markieren und Zusammenfassen bilden das Schlusslicht. In der Mitte weichen sie ab. Bilder im Kopf kommen in der Metaanalyse auf 0,56, obwohl Dunlosky den Nutzen als niedrig einstuft, weil er nur bei gut vorstellbaren Texten auftritt. Gemischtes Üben erreicht nur 0,47. Zweitens sind auch die schwachen Techniken nicht wertlos. Donoghue und Hattie betonen, dass selbst 0,44 noch über dem Durchschnitt vieler Metaanalysen in der Bildungsforschung liegt. Die eigentliche Frage ist, was du für dieselbe Lernzeit bekommst. Wichtig für die Einordnung: Die meisten Studien haben Faktenwissen abgefragt, nicht tiefes Verständnis, und schwächere Lernende haben deutlich stärker profitiert als starke.

1. Verteiltes Lernen: lieber fünfmal kurz als einmal lang

Verteiltes Lernen, auf Englisch Spaced Repetition oder Distributed Practice, heißt: Du lernst denselben Stoff in mehreren Runden mit Pausen dazwischen, statt ihn in einer langen Sitzung durchzuziehen. In der Metaanalyse erreicht es mit d = 0,85 den höchsten Wert aller zehn Techniken, gestützt auf 150 Effekte. Trotzdem fühlt sich Pauken besser an: Studierende schätzen ihren Lernerfolg nach einer langen Sitzung höher ein als nach verteilten Runden.

Wie groß sollen die Abstände sein? Cepeda und Kollegen (2008) haben mehr als 1.350 Menschen Fakten lernen lassen und dabei den Abstand bis zur Wiederholung und bis zum Test verändert. Der beste Abstand wächst mit der Zeit, die du den Stoff behalten willst. Kam der Test eine Woche später, lag er bei etwa 20 bis 40 Prozent dieser Zeit, kam der Test ein Jahr später, bei 5 bis 10 Prozent. Für dich heißt das: Steht die Klausur in einer Woche an, wiederhole nach etwa zwei Tagen. Willst du etwas ein Jahr lang behalten, liegt die beste Wiederholung nach etwa drei bis fünf Wochen.

Das Prinzip ist älter als jede App. Sebastian Leitner stellte 1972 in seinem Buch „Lernen lernen“, heute „So lernt man lernen“, die Lernkartei vor: Karten, die du kannst, wandern ins nächste Fach und kommen seltener dran, Karten, die du nicht kannst, zurück ins erste Fach. Apps wie Anki machen dasselbe mit einem Algorithmus. Welche Abstände die Programme wirklich nutzen, steht in unserem Artikel Spaced Repetition: So wiederholst du im richtigen Abstand.

Typischer Fehler: der Lernmarathon am Vorabend. Er kann für den nächsten Morgen reichen, hält aber nicht lange.

2. Selbsttest: abfragen statt wiederlesen

Beim Selbsttest holst du Wissen aktiv aus dem Gedächtnis. Du beantwortest die Frage auf der Karteikarte, bevor du sie umdrehst, rechnest eine Übungsaufgabe ohne Lösung oder schreibst auf ein leeres Blatt alles, was du noch weißt. In der Forschung heißt das Practice Testing oder Retrieval Practice, im Netz oft Active Recall. Donoghue und Hattie kommen auf d = 0,74, und zwar aus 374 Effekten, mehr als für jede andere Technik.

Das bekannteste Experiment stammt von Henry Roediger und Jeffrey Karpicke (2006). Studierende lernten einen Sachtext in vier Durchgängen: viermal lesen, dreimal lesen und einmal aus dem Gedächtnis aufschreiben oder einmal lesen und dreimal aufschreiben. Fünf Minuten danach lag die Lesegruppe vorn, mit 83 Prozent der Inhalte gegenüber 71 Prozent. Eine Woche später hatte sich das Bild umgedreht: 40 Prozent gegenüber 61 Prozent. Die Lesegruppe hatte den Text im Schnitt 14-mal gelesen und war sich am sichersten, dass sie ihn behalten würde.

Säulendiagramm: Nach 5 Minuten behielt die Lesegruppe 83 % und die Abfragegruppe 71 %, nach einer Woche 40 % gegen 61 % (Daten: Roediger & Karpicke 2006).

Wer nur liest, ist kurz danach vorn und eine Woche später weit hinten. Daten: Roediger & Karpicke (2006), Psychological Science 17(3), Experiment 2. Grafik: Mindomax.

Das erklärt, warum sich Wiederlesen so gut anfühlt: Der Text kommt dir vertraut vor, und das hältst du für Können. Ein Selbsttest zeigt dir dagegen sofort, was fehlt. Wichtig ist die Rückmeldung. Schau nach jedem Versuch die richtige Antwort an, sonst festigst du Fehler. Donoghue und Hattie nennen Rückmeldung ausdrücklich als einen der Faktoren, die den Effekt verstärken. Warum das Abrufen im Gehirn so viel bewirkt, erklärt unser Hintergrundartikel Wie wir tatsächlich lernen.

Typischer Fehler: die Karte umdrehen, die Antwort lesen und denken „wusste ich“. Sag oder schreib die Antwort, bevor du nachschaust.

3. Warum-Fragen: neues Wissen an altes knüpfen

Elaboratives Fragen klingt kompliziert, ist aber einfach: Zu jedem Fakt fragst du dich „Warum ist das so?“ und beantwortest die Frage mit dem, was du schon weißt. Beispiel: Warum liegen viele große Wüsten rund um den 30. Breitengrad? Wer das mit absinkender, trockener Luft erklären kann, merkt sich die Lage der Wüsten leichter als jemand, der sie nur auswendig lernt.

Dunlosky bewertet die Technik mit mittlerem Nutzen, die Metaanalyse kommt auf 0,56. Sie wirkt stärker, wenn du schon Vorwissen hast, wenn deine Erklärungen genau sind und wenn du sie selbst findest, statt sie vorgesetzt zu bekommen. Sie hilft eher beim Behalten von Fakten als beim tiefen Verstehen. Typischer Fehler: eine falsche Begründung erfinden. Prüfe deine Antwort im Buch nach.

4. Selbsterklärung und die Feynman-Methode

Bei der Selbsterklärung begründest du dir beim Lernen jeden Schritt: Warum folgt diese Zeile aus der vorigen? Was ist in diesem Absatz neu, und wie passt es zu dem, was du schon weißt? Das funktioniert besonders gut bei Mathe, Physik und allem, was aus Schritten besteht. Dunlosky sieht einen mittleren Nutzen, die Metaanalyse 0,54. Laut Donoghue und Hattie wirkt Selbsterklärung über Fächer und Altersgruppen hinweg, braucht aber etwas Übung und kostet Zeit.

Die Feynman-Methode, benannt nach dem Physiker Richard Feynman, ist eine Alltagsform davon: Erkläre ein Thema in einfachen Worten, als würdest du es einem Kind erklären, markiere die Stellen, an denen du hängen bleibst, und lies genau dort nach. Unter diesem Namen gibt es keine kontrollierten Studien. Sie verbindet aber zwei Techniken aus der Rangliste: Du erklärst dir den Stoff selbst (Platz 4), und zwar aus dem Gedächtnis (Platz 2).

5. Gemischtes Üben: Aufgabentypen abwechseln

Beim gemischten Üben, auf Englisch Interleaving, rechnest du nicht zehn Aufgaben zur Prozentrechnung und danach zehn zum Dreisatz, sondern mischst die Typen. So lernst du zu erkennen, welcher Weg zu welcher Aufgabe passt, und genau das verlangt die Klausur. Dunlosky stuft die Technik als mittel ein, die Metaanalyse kommt auf 0,47.

Wann Mischen hilft, haben die Psychologen Marc Brunmair und Tobias Richter (2019) in 59 Studien untersucht. Im Schnitt hilft es (g = 0,42), deutlich beim Lernen von Malstilen anhand von Gemälden (0,67), etwas in Mathematik (0,34). Bei Wörtern war es umgekehrt: Wer blockweise lernte, schnitt besser ab (g = -0,39). Für Vokabeln ist Mischen also kein Vorteil, für Mathe schon.

6. bis 10.: Bilder, Eselsbrücken, Wiederlesen, Markieren, Zusammenfassen

Die übrigen fünf Techniken bewertet Dunlosky mit niedrigem Nutzen. Das heißt nicht, dass sie nutzlos sind, sondern dass ihr Vorteil nur unter bestimmten Bedingungen gezeigt wurde.

Bilder im Kopf (0,56): Beim Lesen stellst du dir Szenen zum Text vor. Das hilft bei Texten, die sich gut vorstellen lassen, etwa einer Beschreibung, weniger bei abstraktem Stoff.

Eselsbrücke mit Schlüsselwort (0,50): Du suchst ein deutsches Wort, das ähnlich klingt, und verbindest es in einem Bild mit der Bedeutung. Das englische „ladder“ klingt wie „Leder“, also stellst du dir eine Leiter aus Leder vor. Das hilft bei einzelnen schwierigen Wörtern, kostet aber Zeit, und der Effekt hält nicht immer lange.

Wiederlesen (0,47): Ein zweites Lesen mit etwas Abstand bringt etwas, ein drittes kaum noch. Es hilft eher beim Behalten von Fakten als beim Verstehen.

Markieren (0,44): Es kostet keine Zeit und fühlt sich gut an, steigert die Leistung aber kaum und kann das spätere Schlussfolgern sogar erschweren. Wenn du markierst, dann sparsam, und mach aus jeder Markierung eine Frage für später.

Zusammenfassen (0,44): Es hilft, wenn du es gut kannst, braucht aber viel Übung. Jüngere und schwächere Lernende tun sich damit schwer.

Beliebt, aber nicht in der Rangliste: Mindmap, Loci, Cornell, SQ3R, Pomodoro

Viele Ratgeber nennen diese fünf Methoden zuerst. Dunlosky hat sie nicht bewertet, für einige gibt es aber eigene Studien.

Mindmap: Die von Tony Buzan bekannt gemachte Mindmap ordnet Stoff übersichtlich. Als Lernmethode hat ihre Verwandte, die Concept Map, gegen den Selbsttest verloren. In einer Studie in der Zeitschrift Science (Karpicke und Blunt 2011) beantworteten Studierende nach einer Woche 67 Prozent der Fragen richtig, wenn sie den Text durch Abrufen gelernt hatten, und 45 Prozent, wenn sie Concept Maps gezeichnet hatten. Die Maps waren nicht besser als zusätzliches Lesen. In einem zweiten Versuch schnitten 84 Prozent der Teilnehmenden mit Abrufen besser ab, aber 75 Prozent hatten erwartet, dass das Mapping mindestens genauso gut wirkt. Zeichne deine Mindmap deshalb aus dem Gedächtnis und vergleiche sie danach mit deinen Unterlagen.

Loci-Methode: Beim Gedächtnispalast legst du Begriffe gedanklich an Orten eines bekannten Weges ab, etwa in deiner Wohnung, und gehst den Weg beim Erinnern wieder ab. Eine Metaanalyse von 13 kontrollierten Studien (Twomey und Kroneisen 2021) fand einen mittleren Effekt von g = 0,65, allerdings bei hohem Risiko für Verzerrungen in den meisten Studien. Sie eignet sich vor allem für Listen und Reihenfolgen, etwa die Punkte eines Referats.

Cornell-Notizen: Du teilst die Seite in eine breite Spalte für Notizen, eine schmale Spalte für Stichworte oder Fragen und ein Feld für eine kurze Zusammenfassung unten. Der Nutzen steckt in der Fragenspalte: Deck die Notizen ab und beantworte die Fragen aus dem Gedächtnis. Dann wird aus Cornell ein Selbsttest auf Papier.

SQ3R: Die Methode von Francis P. Robinson aus dem Jahr 1946 steht für Survey, Question, Read, Recite, Review, also überfliegen, Fragen stellen, lesen, aus dem Gedächtnis wiedergeben und wiederholen. Der vierte Schritt ist ein Selbsttest, also der Teil, für den die Forschung den stärksten Beleg hat. Überspring ihn nicht.

Pomodoro: Die Technik von Francesco Cirillo aus den 1980er-Jahren teilt die Zeit in 25 Minuten Arbeit und 5 Minuten Pause, nach vier Runden folgt eine längere Pause. Sie ist eine Zeitmethode, keine Lernmethode. In einer Studie mit 87 Studierenden einer niederländischen Universität (Biwer und Kollegen 2023) gingen feste Pausen im Pomodoro-Rhythmus (24 Minuten lernen, 6 Minuten Pause) mit weniger Müdigkeit und Ablenkung und mit mehr Konzentration einher als selbst gewählte Pausen, bei gleich viel erledigter Arbeit. Eine zweite Studie mit 94 Studierenden (Smits und Kollegen 2025) fand insgesamt keine Unterschiede. Nimm Pomodoro, wenn es dir beim Anfangen hilft, und fülle die 25 Minuten mit Abfragen.

Zwei Mythen: Lerntypen und Speed Reading

Lerntypen: Die Idee, jeder Mensch sei ein visueller, auditiver oder haptischer Lerntyp und lerne am besten über „seinen“ Kanal, hat im deutschsprachigen Raum vor allem Frederic Vester mit seinem Buch „Denken, Lernen, Vergessen“ bekannt gemacht. Belegt ist sie nicht. Pashler und Kollegen (2008) haben beschrieben, was ein Nachweis bräuchte: Lernende nach Typ einteilen, zufällig verschiedenen Unterrichtsformen zuteilen und zeigen, dass jeder Typ mit der passenden Form am besten abschneidet. Dafür fanden sie praktisch keine Belege, und sie rieten davon ab, Lerntyp-Tests im Unterricht einzusetzen. Vorlieben haben Menschen durchaus, sie sagen nur nicht voraus, wie man am besten lernt.

Trotzdem hält sich der Mythos. In einer Befragung von 550 angehenden Biologielehrkräften in Deutschland glaubten 93 Prozent an Lerntypen (Grospietsch und Mayer 2019). Und von den sieben Ratgebern, die wir am 21.10.2026 auf der ersten Google-Seite für „Lernmethoden“ gelesen haben, raten fünf dazu, die Lernmethode nach dem eigenen Lerntyp auszuwählen. Was stimmt: Manche Inhalte sind von Natur aus bildlich, etwa eine Landkarte, andere klanglich, etwa die Aussprache. Wähle die Form also nach dem Stoff, nicht nach einem Typ.

Speed Reading: Kurse und Apps versprechen doppeltes oder dreifaches Lesetempo bei gleichem Verständnis. Eine Übersicht von Rayner und Kollegen (2016) hält das für unwahrscheinlich: Wer schneller liest, versteht weniger. Schneller lesen lernst du am ehesten durch viel Lesen und einen größeren Wortschatz.

Welche Lernmethode für welches Ziel?

ZielDas hilftStatt
VokabelnKarteikarten laut abfragen, verteilt über Tage; neue Wörter in ThemenblöckenListen abschreiben und wiederlesen
Mathe, Physik, Chemiegemischte Übungsaufgaben ohne Lösung, jeden Schritt begründenzehn gleiche Aufgaben am Stück
Biologie, Geschichte, ErdkundeWarum-Fragen, Fragen aus den eigenen Notizen, leeres BlattMarkieren und Zusammenfassen
Referat, ReihenfolgenLoci-Methode, Stichpunkte frei vortragenden Text immer wieder vorlesen
Klausur in einer Wocheerste Wiederholung nach etwa zwei Tagen, danach kurze Abfragerunden (siehe Lernplan)alles am Vorabend
Studium, StaatsexamenKarteikarten mit Spaced-Repetition-App über das ganze Semester, Probeklausurendas Skript dreimal lesen

Für Vokabeln findest du die passenden Apps mit Preisen in unserem Vergleich Vokabeln lernen mit Karteikarten.

Ein Lernplan für eine Woche

So setzt du die beiden stärksten Techniken um, wenn in einer Woche eine Klausur ansteht. Das Beispiel geht von einem Montag als Prüfungstag aus.

TagWas du tust
Montag (eine Woche vorher)Stoff einmal gründlich durcharbeiten, dabei Fragen und Karteikarten schreiben. Zum Schluss ein leeres Blatt: Was weißt du noch?
DienstagPause von diesem Stoff, ein anderes Fach lernen.
MittwochErste Wiederholung: alle Karten abfragen. Was falsch war, kommt zurück in Fach 1.
DonnerstagÜbungsaufgaben gemischt und ohne Lösung, danach die Lösungen prüfen.
FreitagNur die schwierigen Karten; zu jeder Lücke eine Warum-Frage beantworten.
SamstagProbeklausur unter Prüfungsbedingungen, danach jeden Fehler in eine Karte verwandeln.
SonntagKurze Abfrage aller Karten, dann früh schlafen.
MontagKlausur.

Der Plan enthält kein einziges Mal „noch einmal durchlesen“. Lesen kommt nur am ersten Tag vor, danach wird abgefragt. Die erste Wiederholung am Mittwoch liegt zwei Tage nach dem ersten Lernen. Das passt zu dem Abstand, den Cepeda und Kollegen für einen Test nach einer Woche gefunden haben.

Apps, die Abfragen und Wiederholen übernehmen

Eine Lernkartei aus Papier reicht völlig. Apps nehmen dir das Sortieren ab, erinnern dich an fällige Karten und zeigen dir, was du oft falsch machst. Diese acht haben wir am 21.10.2026 im deutschen App Store und bei Google Play geprüft. Alle sind in Deutschland erhältlich und wurden in den letzten zwölf Monaten aktualisiert, bei Anki gilt das für die Android-Version.

AppGut fürPreisGrenze
Ankialles, was du selbst auf Karten bringst; Wiederholungen per AlgorithmusComputer und Android kostenlos, iPhone-App 29,99 € einmalig (Stand: 21.10.2026)Einarbeitung nötig; die iPhone-App wurde zuletzt im September 2025 aktualisiert
RepeticoStudium, Ausbildung, Jura, Fachwirt IHK; Lernplan mit ZieldatumApp gratis, PRO 2,99 € für einen Monat oder 19,99 € für zwölf Monate (Stand: 21.10.2026)fertige Kartensätze im Shop kosten extra
phase6Schulvokabeln passend zum SchulbuchApp gratis, Jahrespakete 26,99 € bis 59,99 €, Vokabeln zu einem Schulbuch 11,99 € (Stand: 21.10.2026)vor allem für die Schule gebaut; mehr in phase6 Kosten
BRAINYOOeigene Karten und fertige Lernkarten für Jura, Medizin, Meister- und FachwirtprüfungApp gratis, Premium ab 4,99 € im Monat (Stand: 21.10.2026)letztes App-Update am 30.10.2025
cabuuSchulvokabeln in Englisch, Französisch, Latein und Spanisch, gelernt mit GestenApp gratis, Monatsabo 9,99 €, Jahresabo 39,99 € (Stand: 21.10.2026)nur vier Sprachen, auf Schüler zugeschnitten
QuizletMillionen fertiger Lernsets anderer NutzerApp gratis, Quizlet Plus ab 9,99 € (Stand: 21.10.2026)fremde Sets sind nicht geprüft
MindomaxKarteikarten per KI aus Text, PDF oder Fotos, verteilte Wiederholung, KI-Tutor, Pomodoro-Timerderzeit alles kostenlos, Premium gratis bis Ende 2027 (Stand: 21.10.2026)junge App mit wenigen Bewertungen; keine fertigen Schulbuch-Vokabeln
ForestPomodoro-Timer, der dich vom Handy fernhältApp gratis, Abo ab 6,99 € im Monat (Stand: 21.10.2026)nur ein Timer, beim Lernen selbst hilft er nicht

Einen ausführlicheren Vergleich findest du in Die beste Karteikarten-App 2026.

Fazit

Wenn du nur eine Regel mitnimmst: Lies weniger, frag dich mehr ab und verteile das Abfragen über mehrere Tage. Warum-Fragen, Selbsterklärung, gemischtes Üben und Eselsbrücken baust du je nach Stoff darum herum. Markieren und Zusammenfassen musst du nicht verbannen, aber sie ersetzen den Selbsttest nicht. Den Lerntyp-Test kannst du dir sparen.

Wenn du das mit Karteikarten machen willst: Mindomax erstellt sie dir aus deinen Unterlagen und plant die Wiederholungen, derzeit kostenlos. Mindomax kostenlos ausprobieren.

Häufige Fragen

Was ist die beste Lernmethode?

Am besten belegt sind der Selbsttest, also sich abfragen statt wiederlesen, und verteiltes Lernen in mehreren Runden über Tage. Nur diese beiden bekamen bei Dunlosky und Kollegen (2013) die Note „hoher Nutzen“, und sie liegen auch in der Metaanalyse von Donoghue und Hattie (2021) vorn.

Was sind die 10 besten Lernmethoden?

Nach Studienlage in dieser Reihenfolge: verteiltes Lernen, Selbsttest, Warum-Fragen, Selbsterklärung und gemischtes Üben, mit Abstand dahinter Bilder im Kopf, Eselsbrücken, Wiederlesen, Markieren und Zusammenfassen. Außerhalb dieser Liste hat die Loci-Methode in Studien gut abgeschnitten, vor allem für Listen und Reihenfolgen.

Welche Lernmethoden gibt es?

Grob vier Gruppen: Methoden zum Einprägen (Selbsttest, verteiltes Lernen, Eselsbrücken, Loci-Methode), zum Verstehen (Warum-Fragen, Selbsterklärung, Feynman-Methode, Zusammenfassen, Mindmap), zum Lesen und Mitschreiben (SQ3R, Cornell-Notizen) und zur Zeitplanung (Pomodoro, Lernplan).

Welche 5 Lernstrategien gibt es?

Heinz Mandl und Helmut F. Friedrich unterscheiden kognitive Strategien (wiederholen, elaborieren, ordnen), metakognitive Strategien (planen, überwachen, bewerten), motivational-emotionale Stützstrategien, Kooperationsstrategien und Strategien zur Nutzung von Ressourcen wie Zeit und Lernort. Lernmethoden wie Selbsttest oder Mindmap sind Werkzeuge innerhalb dieser Gruppen.

Welche Lernmethode eignet sich für Vokabeln?

Karteikarten mit Selbsttest, verteilt über mehrere Tage, entweder mit der Lernkartei nach Leitner oder mit einer App. Neue Wörter darfst du in Themenblöcken lernen, denn Mischen hat bei Wörtern in Studien nicht geholfen. Für einzelne schwierige Wörter helfen Eselsbrücken mit Schlüsselwort.

Gibt es Lerntypen wirklich?

Nicht so, wie sie oft beschrieben werden. Es gibt keinen belastbaren Beleg, dass Lernende besser abschneiden, wenn der Unterricht zu ihrem bevorzugten Kanal passt (Pashler und Kollegen 2008). Vorlieben gibt es, aber sie sagen nicht voraus, wie man am besten lernt.

Wie oft sollte ich wiederholen?

Mehrmals und mit wachsenden Abständen. Als Faustregel nach Cepeda und Kollegen (2008): Bei einer Prüfung in einer Woche wiederholst du nach etwa zwei Tagen, wenn du etwas ein Jahr lang behalten willst, nach etwa drei bis fünf Wochen. Eine Lernkartei oder eine App übernimmt das Timing für dich.

Ist Markieren eine schlechte Lernmethode?

Nicht schlecht, aber schwach. Dunlosky bewertet den Nutzen als niedrig, und in der Metaanalyse liegt Markieren mit 0,44 am Ende. Markiere sparsam und mach aus dem Markierten Fragen, die du dir später stellst.